Es ist Ihnen wahrscheinlich bereits aufgefallen: Seit einigen Monaten erscheint oben auf dem Bildschirm ein großes, farbiges Feld, sobald Sie eine Frage bei Google eingeben. Dabei handelt es sich umden „AI Overview“, die neue, von Googles künstlicher Intelligenz generierte Zusammenfassung.
Er analysiert das Thema Gesundheit, erläutert wissenschaftliche Theorien auf anschauliche Weise und gibt Tipps zum Thema Haustiere … Kurz gesagt: Er nimmt einen enormen Stellenwert ein.
Wenn Sie jedoch „3-Zimmer-Wohnung mit Balkon zu verkaufen“ oder „Quadratmeterpreis im Zentrum von Bordeaux“ eingeben, gibt es eine Überraschung: Die KI tritt fast vollständig in den Hintergrund.
Jüngsten Branchenangaben zufolge (insbesondere einer Studie von Ahrefs) werden Suchanfragen zu den Themen Gesundheit oder Wissenschaft zu mehr als 43 % mit KI-Zusammenfassungen überflutet. Im Immobilienbereich liegt dieser Anteil hingegen bei bescheidenen 5,8 %.
Ist das also reiner Zufall? Ist der Immobilienmarkt endgültig vor den Auswirkungen gefeit? Und vor allem: Wie können Makler und Eigentümer in dieser Situation das Beste daraus machen? Wir geben einen Überblick – ganz ohne Fachjargon.
Warum gerät die KI von Google bei einer Immobilie ins Stocken?
Dass die Immobilienbranche in dieser Hinsicht so „verschont“ bleibt, liegt nicht daran, dass Google uns vergisst, sondern an vier sehr pragmatischen Gründen:
1. Niemand möchte ein Gedicht lesen, um eine 3-Zimmer-Wohnung zu kaufen
Wenn ein Käufer oder Mieter nach einer Immobilie sucht, möchte er keine von einem Roboter verfasste Zusammenfassung. Er möchte Konkretes, Visuelles und Aktuelles: Fotos, eine interaktive Karte, Filter nach Budget und aktuelle Anzeigen. Text-KI bietet gegenüber einer guten alten Immobilienliste keinerlei Mehrwert.
2. Der Markt verändert sich schneller als die Algorithmen
KI eignet sich hervorragend für statische Themen („Wie beschneidet man einen Rosenstrauch?“). Der Immobilienmarkt hingegen ist dynamisch: Eine Immobilie, die um 10 Uhr noch im Angebot war, ist um 11 Uhr bereits nicht mehr verfügbar. Sprachmodelle sind schlichtweg nicht dafür ausgelegt, als Echtzeit-Bestandsdatenbank zu dienen.
3. Die finanzielle Haftung (Google möchte keine Rechtsstreitigkeiten)
Der Immobilienbereich betrifft das Vermögen, die Ersparnisse eines ganzen Lebens und die Gesetzgebung. Für Google handelt es sich hierbei um einen äußerst sensiblen Bereich (mit dem Namen „Your Money, Your Life“). Sollte die KI bei einem Zinssatz, Notargebühren oder einem Energieausweis-Standard falsche Angaben machen, können die Folgen schwerwiegend sein. Im Zweifelsfall verweist Google lieber auf echte Fachleute und offizielle Websites.
4. Ganz einfach: Geld!
Der Immobiliensektor ist für Google einer der umsatzstärksten Bereiche im Werbegeschäft (Google Ads). Würden die bezahlten Anzeigen der Maklerbüros unter einem riesigen, von der KI generierten Textblock versteckt, würde dies zu einem Rückgang der gesponserten Klicks führen … und damit auch zu einem Rückgang des Umsatzes des amerikanischen Giganten.
Vorsicht vor der Falle: Die KI greift in organisierten Gruppen an
Während die Suchanfragen nach Immobilien unverändert bleiben, sind die Beratungsanfragen derzeit besonders stark gefragt.
Ein Eigentümer, der schreibt:
- „Wie kann man den Wert seiner Immobilie selbst einschätzen?“
- „Wie hoch sind die Steuern beim Wiederverkauf im Jahr 2026?“
- „Sollte man erst verkaufen, bevor man kauft?“
… steht nun in direkter Konkurrenz zum AI Overview.
Das Ergebnis? Die Immobilienblogs der alten Schule, die alle dieselben, hastig verfassten allgemeinen Ratschläge wiederholten, verzeichnen einen drastischen Rückgang ihrer Besucherzahlen.
Der Aktionsplan: Der Übergang von klassischem SEO zu „GEO“
Für Fachleute der Branche und Vermieter, die Inhalte veröffentlichen, haben sich die Spielregeln geändert. Es geht nicht mehr nur darum, „Schlüsselwörter zu platzieren“, sondern GEO (Generative Engine Optimization) zu praktizieren: dafür zu sorgen, dass die KI Sie als offizielle Quelle auswählt, wenn sie einem Nutzer antwortet.
Hier sind die drei Verhaltensweisen, die Sie ab heute umsetzen sollten:
- Verzichten Sie auf allgemeine Aussagen und verkaufen Sie hochlokale Daten: KI liebt es, konkrete Zahlen zu nennen. Anstatt einen banalen Artikel über „Den Markt in Nantes“ zu verfassen, veröffentlichen Sie lieber ein präzises Barometer: „Durchschnittliche Verhandlungsrate im Stadtteil Zola im 2. Quartal“. Die KI greift Ihre Zahl auf und zeigt den Namen Ihrer Agentur als Quellenangabe an.
- Verleihen Sie Ihren Inhalten eine persönliche Note (der „Experten-Effekt“): Google legt Wert auf echte menschliche Erfahrungen. Lassen Sie jeden Artikel von einem namentlich genannten, qualifizierten und in der Branche tätigen Experten unterzeichnen, der über konkrete Kundenbeispiele berichten kann. Die KI ist in der Lage, die Glaubwürdigkeit eines menschlichen Experten zu erkennen.
- Setzen Sie zu 200 % auf Ihre lokale Verankerung: Bei der Suche nach einer Agentur berücksichtigt die KI Google-Bewertungen, die Aktualität der Fotos im Google-Unternehmensprofil sowie die Präsenz in der lokalen Presse. Achten Sie darauf, dass Ihr Google-Eintrag einwandfrei ist.
Zum Schluss
Der Einzug der KI in die Forschung bedeutet nicht das Ende des Immobilien-Webs, sondern ist ein hervorragender Filter gegen Mittelmäßigkeit.
Portale, die lediglich oberflächliche Inhalte anbieten, werden an Boden verlieren. Dagegen haben lokale Agenturen und Experten, die echte Daten aus der Praxis liefern und eine praxisnahe Beratung bieten, enorme Chancen: Sie können der KI im Beratungsbereich einen Schritt voraus sein und so die Aufträge von morgen für sich gewinnen.